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Über unsere
Namensgeberinnen |
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Beginengemeinschaften waren wirtschaftlich autonome Haushalte. Die Frauen, in aller Regel ehelos, erwarben ihren Lebensunterhalt selbst und eigenverantwortlich, im wesentlichen durch handwerkliche Tätigkeiten oder auch durch den sogenannten "Dienst am Nächsten". Eine Begine war ökonomisch autonom und ihre Leistung über lange Zeit hinweg ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. |
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Das Phänomen war in den damals noch jungen Städten Mitteleuropas verbreitet. Die meisten Beginengemeinschaften, die Zentren ihrer Kultur jedoch, befanden sich in Belgien, den Niederlanden und in Deutschland. Getragen von Frauen aus dem niederen Adel und den Patrizierfamilien, waren von der weiblichen Gesamtbevölkerung etwa 3 bis 4% den Beginen zugehörig. In einer der Hochburgen der Bewegung, in Köln beispielsweise, gab es im Jahr 1223 genau 22 Höfe mit rund 2000 Beginen. Das ist im Verhältnis zur niedrigen Gesamtzahl der damaligen StadtbewohnerInnen eine bedeutsame Größe. "Begine" jedenfalls war ein Begriff: Sie waren bekannt und genossen ein hohes Ansehen, nicht nur in jener Stadt am Rhein. |
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Leuven um 1598 |
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Ein kleiner Teil der Beginen lebte formloser in - modern gesagt - Frauen-Wohngemeinschaften; vereinzelt zogen sie auch von einem Hof zum anderen oder nicht-sesshaft durch die Lande. Der Großteil der Beginen jedoch lebte und organisierte sich in Konventen oder in Gemeinschaften, die dem Kloster ähnlich waren. "Ähnlich", mehr nicht, die Beginen schufen sich eine Organisationsform und Lebensweise, die sie von anderen, artverwandten Einrichtungen wie eben Klöster grundsätzlich unterschieden. Beginen waren eigenwillig, eigenwillig wie auch ihre Mitstreiterinnen in jener starken, nachhaltig prägenden Frauenbewegung der Mystik. In hohem Maße selbstbestimmt, schaffte die Begine die Regelwerke ihrer Gemeinschaft in eigener Regie - persönlich, wirtschaftlich, strukturell. Gleichermaßen selbstbestimmt und eigenwillig war die Begine, eine "Hildegard von Bingen am Webstuhl" in ihrem Religionsverständnis, in ihren Lithurgien entwickelte und lebte sie eine Spiritualität von überaus leidenschaftllicher Sinnlichkeit. Im Gegensatz zu den Klöstern, der doch bekanntlich einzige Ort und soziale Nische für eben unverheiratete Frauen, legten die Beginen in ihren Einrichtungen keinerlei Gelübde ab; der notwendige Schutz ihrer "Klostermauern" wurde ihnen nicht zur lebenslang verbindlichen Fessel. Die Beginen waren und blieben ungebunden, sie konnten ihre Gemeinschaft selbstbestimmt jederzeit wieder verlassen, und das taten sie gelegentlich auch.
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Die starren und
zugleich auch erdrückenden Hierarchien der mittelalterlichen
Ständegesellschaft waren als Wille Gottes gedacht, ob Landesfürst, ob
Magistrat, unhinterfragbar und selbstverständlich von Gottes Gnaden. Der
Gedanke an Demokratie war zu dieser Zeit noch nicht einmal vage am
politischen Horizont zu erkennen. Geradezu avantgardistisch hingegen die Beginen: die ranghöchste Begine
der Gemeinschaft, die "Grande Dame" oder wie diese Frauen je nach
Landessprache auch genannt wurden, wurde von allen Mitfrauen gemeinsam
gewählt. Ähnlich: eine Mitgift zum Eintritt in die Gemeinschaft (wie in den
Klöstern) war nicht zwingend notwendig; denn eine Mitgift wurde an den
Besitzverhältnissen der jeweiligen Interessentinnen bemessen. |
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Begine |
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Mag das Gesamtbild der historischen Beginen noch lückenhaft sein, sämtliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass diese Frauen - mit ihrer persönlichen Autonomie - eine Modernität vorwegnahmen, die erst heutzutage wirklich gelebt werden kann. Das Lebensmodell und die Philosophie der historischen Beginen möchten wir mit unserem Wohnprojekt auf die heutigen Verhältnisse und Bedürfnisse übertragen und übersetzen. Damit sind wir Teil einer Frauenbewegung, die seit rund 5 Jahren eine Renaissance erlebt. Die zahlreichen Neugründungen moderner Beginenhöfe sprechen für sich. |
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